Begeisterung in einer neuen Dimension


Das Blasorchester Wachenbuchen und Helium6 präsentierten zum zweiten Mal vor ausverkaufter Halle das Erfolgskonzept „Music for Generations“

Drei Wochen hat es im vergangenen Jahr gedauert, bis alle 750 Karten des Pilotprojekts  „Music for Generations“ mit einer Mischung aus Rock/Pop, Deutschklassikern und orchestralem Klangvolumen ausverkauft waren, sodass vielen Enttäuschten  nur noch die Hoffnung auf eine Neuauflage im kommenden Jahr blieb. Nach langem Bangen und Hoffen war es dann endlich soweit, der Beschluss war gefasst, es wird eine Neuauflage geben, eine Verbesserung des nahezu Perfekten, einen Gänsehaut-Abend im strahlenden Licht der Bühnenscheinwerfer. Es dauerte nur zweieinhalb Wochen und die Mehrzweckhalle Mittelbuchen war erneut bis auf den letzten Stuhl ausverkauft. Am 09.November um 20 Uhr fiel vor über 1500 Augen mit höchsten Erwartungen schließlich der Startschuss zur zweiten Runde von „Music for Generations“.

Unter der Leitung von Dominik Thoma eröffnete das Blasorchester Wachenbuchen den Abend mit „O Fortuna“ aus der weltberühmten Carmina Burana von Carl Orff  durch eine nahezu erdrückende Soundkulisse, die den Zuschauer unweigerlich mitten ins Geschehen hineinzog. Dabei zeigte das Orchester einmal mehr, dass sie es verstehen, selbst für den heutigen Zuhörer ungewohnt anmutende musikalische Schreibstile passend in Szene zu setzen und eindrucksvoll zu präsentieren. Eine Leistung in dessen Anschluss nach der passend lockeren Moderation durch Wolf-Günter Koch die angesagte Kultband „Helium6“ die Bühne betrat und mit der Unterstützung des Orchesters Peter Gabriels “Sledge Hammer” zum Besten gab. Den Gesang übernahm dabei Frontmann Tofino und Heiko Traber und sorgten damit für Beifall und hochgeladene Gäste, die es kaum erwarten konnten, mit „live and let die” von Paul McCartney die nächste musikalische Praline serviert zu bekommen. Unterstützung erhielten die knapp 80 Musiker auf der Bühne zusätzlich von Simone Kerchner, die bereits durch Musicals wie Andrew Lloyd Webbers „Evita“ und zahlreiche Soloauftritte nationale Bekanntheit erlange.  Ihre kraftvolle Stimme machte aus den James Bond Titelsongs „Skyfall“ und „Diamonds are forever“  ein regelrechtes Verwöhnprogramm, das dank der aufwendigen Lichtgestaltung nicht nur für die Ohren ein Genuss  war, sondern ein jeden voll und ganz in seinen Bann zog.  
Im Anschluss präsentierten die Musiker von Helium6 zusammen mit den Gastmusikern Jo Meltke am Piano und Sven Garrecht am Saxophon einen kleinen Auszug aus ihrem diesjährigen Akustikprogramm. Dabei interpretierten sie „Seven nation army“ und „Wake me up!“ auf erfrischende Art und Weise neu, bis die Menge vor Begeisterung brodelte.  Mit „Unchained Melody“ in einer Mischung aus Orchester, Band und Tofinos Gesang wurde der Song derart einfühlsam und feinabgestimmt dargeboten, das es Zeit zum in Gedanken schwelgen und genießen der Gänsehäute war. Den Abschluss der ersten Konzerthälfte stellte das von Dominik Thoma selbst arrangierte „Candy“ von Robin Williams dar, welches somit nicht nur ideal auf das Orchester zugeschnitten war, sondern anscheinend auch wie Öl für Tofinos Stimme wirkte, der es verstand, den Song richtig in Szene zu setzen.

 

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Nach einer kurzen Pause präsentiere das Blasorchester Auszüge aus Michael Flatley's Welterfolg „Lord of the Dance“ in einem Arrangement von Frank Bernaerts, wobei nicht nur Virtuosität im Holzregister, sondern auch mächtige Klangvolumen aus dem tiefen Blech und strahlende Trompeten zu vernehmen waren. Die schnellen Rhythmen schürten das unweigerliche Verlangen die Tanzflächen aufzusuchen, hätte es in der restlos mit Zuschauern belegten Halle noch ein wenig Platz gegeben. Bis zum Ende hin hielt das Orchester den Spannungsbogen schaffte bis zum Schluss eine kontinuierliche Steigerung der musikalischen Intensität. Tina Turner und “Simply the best” Simone Kerchner, das Orchester, Jo Meltke und Carsten Riedel gaben im Anschluss wieder den Rocksound in Mittelbuchen an. Simone Kerchner zeigte beachtlich, dass sie nicht nur im Musical eine feste Größe ist und brillierte das Beste ihres großartigen Talents. Es wurde geschunkelt, aber nicht das sonst im November volkstümliche Orchester lud zur Schunkelei  ein, sondern Helium6 begann mit ihrem zweiten Teil des aktuellen Akustikprogramms, welches nächstes Jahr in noch größerem Ambiente präsentiert werden soll.  Auch wenn das „Kufsteinlied“ zu Beginn erklang, tobten die Zuschauer verschiedenster Generationen im Rhythmus der Musik, als ein Mix aus Westerland geschunkelt und Major Tom im Tangoklang besungen wurde. Dabei zeigte Helium6 eindrucksvoll, dass selbst ein Akkordeon vor Rockmusikern nicht sicher und für das Mitreißen der Zuschauer geeignet ist. Ein erfrischender Mix aus Deichkinds „Remmidemmi“, gepaart mit Herbie Hancocks „Cantaloupe Island“ und einigen witzigen musikalischen Einwürfen der sechs Musiker, beispielsweise Melodien der Sesamstraße und von Biene Maja, zeigte, welche Qualität und Vielseitigkeit in den Profis um Helium6 steckt! Altes Fieber von den Toten Hosen war danach nur noch ein Selbstläufer mit einem mitsingenden Publikum, die Sänger Tofino in ihrer Lautstärke beinahe übertrafen.

The „chickenhill Kryner“ nannte sich die spontane und neuerfundene Formation um den Dirigenten und Trompeter Dominik Thoma in Anlehnung an den allseits bekannten Hühnerberg, die im direkten Anschluss im Oberkrainer Sound Songs wie „Eye of the tiger“ und „Like a virgin“ zum Besten gaben. Ob das geht? Und wie das geht! Andreas Fischer am Bariton, Enkel des Orchestergründers, Tobias Bonewitz an der Gitarre, selbst Gitarrist im Hühnerbergquintett, Heiko Schmidt am Akkordeon, Simone Kerchner an den Stimmbändern, sowie Klaus Schmidt, Vater des Helium6 Bandleaders würfelten nun diesen Mix aus den Ärmeln. Qualitativ hochwertig hörte man diese zwei Pop und Rockklassiker der 80er im Sound des slowenischen Oberkrainer Sounds. An einem solchen Abend ist es zwar schwer von Höhepunkten zu reden, doch dies war sicherlich einer davon.

Der Rockklassiker „Whatever you want“ von Status Quo komplettierte das Bild, als Helium6 zusammen mit dem Blasorchester Wachenbuchen mit Vollgas in Richtung Finale davonpreschte: John Miles „Music“. Selten schaffte es ein Song so viele Emotionen in sich zu vereinen, die durch die ideale Mischung von Orchester und Band Hand in Hand ineinander übergingen, sodass selbst die Musiker auf der Bühne Gänsehaut zu spüren bekamen. Minutenlanger stehender Beifall durchflutete die Halle unterstützt vom Kreischen und Pfeifen der begeistertsten Zuschauer, sodass sich es die Künstler nicht nehmen ließen mit „We are the wold“ noch einen weiteren Höhepunkt obendrauf zu setzen.

„Music for Generations“ hat zweifellos durch seine grandiose Vielfalt und Professionalität, gepaart mit der schlichten Freude am Musizieren für jeden einzelnen etwas Unvergessliches geschaffen.  Eine Veranstaltung, die auch beim zweiten Mal, ihre Erwartungen mehr als Erfüllt hat!