Der weit über die Grenzen von Wachenbuchen bekannte und beliebte Dirigent des Blasorchesters ist tot. Er erlag am Nachmittag des 4. Dezember seiner schweren Erkrankung, die er eigentlich glaubte, schon besiegt zu haben. Die Nachricht löste nicht nur in seinem Verein, sondern auch bei allen Anhängern und Freunden tiefe Trauer und Betroffenheit aus.

Gerhard Lorenz kam im Oktober 1990 für den damaligen Dirigenten, Joachim Hofmann, nach Wachenbuchen. Als Horst Werner, seinerzeit Vorsitzender, ihn den Musikern vorstellte, dirigierte er ein eigentlich ganz einfaches Musikstück, den Walzer „Böhmischer Wind“. Es ging schon damals ein Raunen durch die Reihen der Musiker, als deutlich wurde, was dieser begnadete Musikpädagoge aus wenigen Akkorden herausholen konnte. Gerhard Lorenz hatte damit ein neues Kapitel in der Geschichte unseres Orchesters aufgeschlagen.

Er sagte, das er die Musikerinnen und Musiker als „Rohdiamanten“ ansehe, die noch den entsprechenden Schliff benötigten. Das hat er mit großem Erfolg auch umgesetzt. Schnell entwickelte sich zwischen dem Dirigenten und dem Verein eine freundschaftliche Bande, die die Grundlage einer 12jährigen, vertrauensvollen und auch erfolgreichen Zusammenarbeit bildete.

Gerhard Lorenz, der über ein absolutes Gehör verfügte und u.a. das Instrument der Posaune meisterlich beherrschte, deckte die gesamte musikalische Bandbreite ab. Er kam damit der Stärke des Blasorchesters Wachenbuchen entgegen: klassische - , volkstümliche Stücke, traditionelle Werke und auch musikalische Experimente lösten sich ab.

Er verstand es in seinen Proben immer wieder, die Musiker zu begeistern. Heiterkeit lösten manchmal seine ihm eigenen Interpretationen der Musikstücke beim Orchester aus. Er überzog um zu überzeugen, er tanzte, er hüpfte, er war sich für nichts zu schade. Er wollte gute Musik produzieren und gab immer einhundert Prozent. Er konnte gar nicht anders. Wenn er vor das Dirigentenpult trat, wollte er gewinnen: nämlich die Herzen des Publikums und der Musiker. Das ist ihm in den vielen Jahren in Wachenbuchen auch gelungen.

Neben den unzähligen Konzerten und Auftritten sowie Rundfunkaufnahmen mit Gerhard Lorenz gehörte die Teilnahme beim 2. Deutschen Bundesmusikfest in Münster/Westfalen im Jahre 1995 zu den Sternstunden. Mit 62 Musikern errang er in der Oberstufe mit 36 Punkten die Höchstzahl mit dem Pflichtstück „Der Traum des Oenghus“ aus der Feder des hier beheimateten Komponisten Rolf Rudin und zudem das Prädikat „Ausgezeichnet“.

Herausragende Verdienste hat sich Gerhard Lorenz neben der Arbeit mit seinem Stammorchester auch in der Jugendarbeit erworben. So gründete sich auf seine Initiative hin am 21. Februar 1999 ein sogenanntes „Fohlenorchester“ mit 37 Kindern und am 10.6.2001 sogar das zweite „Fohlenorchester“. Er träumte davon, die Jugend in das Stammorchester zu integrieren und den Verein zu neuen Ufern zu führen. Leider konnte der beliebte Dirigent die Früchte seiner Arbeit nicht mehr ernten. Die Kinder werden ihn jetzt sehr vermissen.

Seinen letzten Auftritt hatte Gerhard Lorenz am 21.September diesen Jahres mit dem Stammorchester in Schöneck. Leider sind seine Träume jetzt ausgeträumt. Und er wird nie mehr singen: „Der böhmische Wind wird noch wehen, wenn wir längst nicht mehr sind.“

Das Blasorchester Wachenbuchen, alle Freunde und Anhänger von Gerhard Lorenz danken ihm von Herzen. Dort wird er bleiben und unvergessen sein.