- Musik war sein Leben -

Der Gründer des Blasorchesters Wachenbuchen, Willi Fischer, ist tot. Er verstarb am 10.2.2001 völlig unerwartet und hinterläßt nicht nur in seiner Familie, sondern auch bei allen aktiven und fördernden Mitgliedern des Blasorchesters sowie bei vielen anderen Musikvereinen, denen er als Ausbilder, Dirigent und Komponist vorstand, eine große Lücke.

Willi Fischer wurde am 9.10.1921 in Wachenbuchen geboren und wuchs hier mit einer Schwester auf. Er erlernte den Beruf des Diamantschleifers, später war er als Amtsinspektor tätig, zunächst für die Stadt Frankfurt und ab 1974 für die Stadt Maintal. Er heiratete am 8. Juni 1946 seine Frau Else geb. Heinbuch, Ehrenmitglied des Blasorchesters Wachenbuchen. Der Sohn Erich Fischer ist in die Fußstapfen seines Vaters getreten und bestimmt wesentlich die Geschicke des Blasorchesters. Die Tochter Gisela ist ebenfalls Mitglied, jedoch seit Jahrzehnten im Spielmanns-und Fanfarenzug Ronneburg e.V: engagiert.

Schon als Bub mit 7 Jahren hat Willi Fischer die Trompete geblasen. Sein Vater erkannte das junge Talent früh und förderte dies. So war Willi Fischers Weg zur Musik vorgegeben.

Zunächst war die Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr in Wachenbuchen seine musikalische Heimat. Aber Willi Fischer spielte auch in anderen Kapellen und Orchestern wie dem "Dunlop Club Orchester", "Topsi Sextet", Gießener Tanzorchester usw. Er zeichnete sich dabei durch sein präzises Spiel, seine unnachahmlichen Soli und Interpretationen wie z. B. "Mecki Messer", "Mitternachtsblues" und Louis Armstrongs (Satchmo)"Lullebye" aus.

Im Jahr 1960 gründete er das "Schülerorchester" mit 9 jungen Musikern, aus dem das heutige Blasorchester Wachenbuchen hervorging.. Man probte damals im kleinen Kolleg und dann im Saal des Gasthauses "Concordia" in Wachenbuchen. Den Saal heizten die Musiker mit ihren mitgebrachten Briketts selbst. Aber auch im Keller seines Wohnhauses in der Burgstraße nahmen die meisten Talente des Blasorchesters ihren ersten Musikunterricht. Mit unendlicher Geduld, aber auch großer Zielstrebigkeit schaffte es Willi Fischer immer wieder, die Freude am musizieren zu fördern. Schon am 18.12.1960 konnte das Schülerorchester den ersten Auftritt verzeichnen. Im Jahr 1962 waren bereits 33 Musiker/innen aktiv.

Es folgte ein fulminanter Aufstieg dieses jungen Klangkörpers mit vielen Gast-spielen im In- und Ausland, insbesondere in Österreich, Frankreich und England.

Den größten Erfolg der Vereinsgeschichte jedoch konnte das "Schülerorchester" am 23. Juli 1966 verbuchen. Man kehrte von der Weltmusikolympiade in Kerkrade/Holland mit einer Silbermedaille nach Hause; eine Goldmedaille wurde in dieser Leistungsgruppe nicht vergeben.

In Wachenbuchen bereitete man Willi Fischer mit seinen jungen Musikern einen triumphalen Empfang.

Was Willi Fischer besonders auszeichnete war sein gekonnter Umgang mit jungen Menschen, er hatte gewissermaßen eine Vaterfunktion übernommen. Und immer, wenn der junge Klangkörper auf Reisen war, wußten die Eltern, daß ihre Kinder bei Willi und Else in den besten Händen sind. Aber auch seine frühe Erkenntnis, daß nur durch eine starke Jugendarbeit ein Verein langfristig bestehen kann, zeichneten den talentierten Orchesterchef aus. So gründete er schon im Jahr 1972 ein Nachwuchsorchester; die Kinder von damals zählen zu den Leistungsträgern von heute.

Ein weiters Geheimnis seines Erfolges war sicher auch seine Lebenseinstellung. Tugenden wie Einsatz, Disziplin, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit forderte er von allen. Er war ein Vorbild, dem die Jugend nacheiferte.

Willi Fischer leitete das "Schülerorchester" von seiner Gründung im Jahr 1960 bis zum 11. Mai 1980. Er legte die Arbeit in die jüngeren Hände von Joachim Hofmann, der den Taktstock wiederum im Jahr 1990 an Musikdirektor Gerhard Lorenz, den heutigen Dirigenten ,weitergab.

Auch wenn der Verstorbene nicht mehr als Dirigent aktiv war, so begleitete er aufmerksam die weitere Entwicklung des Vereins und widmete sich verstärkt der Komposition.

Erst am 9. Dezember 2000 erhielt Willi Fischer, der auch Träger des Ehrenbriefes des Landes Hessen war, für seine besonderen Verdienste um die Musik durch den geschäftsführenden Präsidenten des Hessischen Musikverbandes, Rudolf Barget, das HMV Ehrenzeichen in Gold. Der Besuch der Weihnachtsfeier "seines" Blasorchesters sollte Willi Fischers letzter öffentlicher Auftritt gewesen sein.